Wenn die Deutschen Trauer tragen
5. Mai 2011Da verändert sich die Welt um den schlafmützigen deutschen Michel so schnell wie schon seit langem nicht mehr, und was fällt unseren Politikern dazu ein? Eine Debatte um die Zukunft des arabischen Raums, Gedanken über die Rettung südeuropäischer Pleitestaaten, den wirtschaftlichen Niedergang der USA oder den Umgang mit einem immer mächtigeren China? Nein, unsere Politiker reiben sich träge die Augen und streiten darüber, ob man sich über den Tod des Massenmörders bin Laden freuen darf. Die aufgrund ihrer historischen Leistungen für sich das Patentrecht auf Moral gepachtet habenden deutschen hauptberuflichen Gewissensträger forden von den Amerikanern gar die Aufklärung über die genauen Todesumstände dieses Terroristen und bereiten Obama sicherlich zahllose schlaflose Nächte voller Albträume und skrupulöser Selbstzerfleischung ob seiner leichtfertigen Nichtberücksichtigung deutschen Polizeirechts bei dieser Operation in Pakistan.
Seltsamerweise sind ähnliche Forderungen in Richtungen Damaskus, wo gerade eine mafiöse Familie ihr Volk zusammenschießen lässt, bezüglich der letalen Gewalt gegen die dortigen Demonstranten nicht zu hören. Und anstatt jetzt, nach dem Ausschalten bin Ladens, endlich einmal über die Zukunft des Afghanistaneinsatzes zu sprechen, wird in Deutschland lieber hausmeisterlich über die moralische Legitimität von Freude über den Tod eines Terroristen debattiert, die unsere Kanzlerin so emotional aus sich herausgehend, wie man sie eben kennt, zum Ausdruck brachte. Deutschland, ein Wintermärchen und so furchtbar peinlich und provinziell in seiner Bedenken wie Monstranzen vor sich hertragenden Besserwisserei.